Venedig, 1919. Antonio Lago, ein junger 26-jähriger italienischer Ingenieur, genießt in einer kleinen Trattoria in Ruhe seine Pasta, als plötzlich drei Typen in schwarzen Hemden auftauchen. Faschisten. Sie ziehen ihre Messer und umzingeln ihn. Antonio hat nur eine Sekunde Zeit zu reagieren. Er zieht den Sicherungsstift der Granate, die er seit Monaten bei sich trägt – ja, eine echte Granate –, wirft sie auf seine Angreifer und schlüpft durch die Hintertür, als sie explodiert. Ein Toter, während er noch lebt. An diesem Tag wird Antonio Lago klar, dass er nie wieder einen Fuß nach Italien setzen wird. Was er noch nicht weiß: Dieses erzwungene Exil wird die Geburtsstunde einer der faszinierendsten und chaotischsten Automarken der Geschichte sein: Talbot.
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Denn sehen Sie, die Talbot-Geschichte gleicht einem Seriendrama, bei dem niemand weiß, wer wen kauft, wer stirbt und wer wiederaufersteht. Eine Marke, die mehr Leben erlebt hat als eine Katze, mehr Besitzer als ein fragwürdiger Gebrauchtwagen, und die dennoch die Automobilwelt geprägt hat wie kaum eine andere. Als jemand, der seit Jahren Autos aus dieser Ära sammelt, kann ich Ihnen sagen, dass jeder Talbot eine Geschichte zu erzählen hat. Und die der Marke selbst ist geradezu filmreif.
Ursprünge: Wenn ein britischer Graf auf die französische Industrie trifft
Gehen wir zurück ins Jahr 1903. Charles Chetwynd-Talbot, 20. Earl of Shrewsbury – ja, das ist ein markanter Name – beschließt, dass das Automobil die Zukunft ist. Das Problem: Als britischer Aristokrat ist er zwar bei gesellschaftlichen Anlässen beliebt, aber Autos zu bauen ist eine ganz andere Geschichte. Also tut er sich mit Adolphe Clément-Bayard zusammen, einem französischen Industriellen, der sein Handwerk versteht.
Und dann tat der Earl etwas Geniales: Er baute die erste Autofabrik Großbritanniens in North Kensington. Noch besser: Er ließ sein Familienwappen über dem Eingang eingravieren. Denn Prestige war in der Familie Chetwynd-Talbot kein Scherz. Ich finde es verrückt, diese Ära, in der edles Handwerk mit aufstrebender Industrie verschmolz. Das war weit entfernt von den heutigen Roboterfabriken.
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Aber wissen Sie, was so komisch an der Autoindustrie des frühen 20. Jahrhunderts ist? Sie ist ein einziges Chaos. Stellen Sie sich ein riesiges Monopoly-Spiel vor, bei dem jeder ständig jeden anderen aufkauft. Talbot wurde 1920 zu Talbot-Darracq, 1922 wieder zu Talbot, bevor es in das Konsortium STD Motors – Sunbeam-Talbot-Darracq eingegliedert wurde. Ehrlich gesagt brauchte man damals ein Organigramm, um den Überblick zu behalten, wem was gehörte.





































































































































